Judith II. oder Salome: Geschichte, Analyse und Unterschied mit Judith I

Judith II ou Salomé de Gustav Klimt, peinture verticale de 1909

Gustav Klimt · 1909 · eine umstrittene Identität

Eine Frau in Bewegung, zu Krallen gewordene Finger, ein fast vom Ornament verschlungener Körper und ein abgetrennter Kopf ganz am unteren Rand: Klimt malt tatsächlich Judith, schafft aber ein so mehrdeutiges Bild, dass darin Salome sichtbar wird.

Detail von Gesicht und Oberkörper der Judith II von Gustav Klimt, Werk aus der Sammlung Ca’ Pesaro
Ein venezianisches Werk seit 1910Judith II gehört zu Ca’ Pesaro und wurde auf der Biennale von 1910 erworben. Für die Ausstellung vom 26. September 2026 bis zum 14. Februar 2027 ist das Werk vorübergehend an das MUVEC in Mestre ausgeliehen.
1909Entstehungsjahr und erste Präsentation auf der Internationalen Kunstschau in Wien.
JudithDer Titel, der während der Präsentationen von 1909 und 1910 verwendet wurde.
Öl auf LeinwandEin hohes, schmales und bewusst instabiles Gemälde.
176 × 46 cmMaße laut offizieller Werkbeschreibung der Fondazione MUVE.
Ca' PesaroStädtische Sammlung Venedigs, Inventar 446.

Direkte Antwort

Der historische Titel lautet Judith; „Salome“ bezeichnet die Mehrdeutigkeit des Bildes

Das Gemälde von 1909 wurde auf der Internationale Kunstschau Wien unter dem Titel Judith. Es behielt diese Bezeichnung auf der Biennale von Venedig 1910, wo es die städtische Galerie erwarb. Es gibt also keinen Beleg dafür, dass Klimt es offiziell Salome nannte. Die Gustav Klimt Database betont genau diesen Punkt.

Warum sehen wir dann überall Judith II. (Salome) ? Weil die Figur weniger der biblischen Witwe ähnelt, die ihre Stadt rettet, als einer Tänzerin des Fin de Siècle: entblößter Oberkörper, schweifende Augen, unruhige Haltung und verkrampfte Finger. Zu Klimts Zeit war Oscar Wildes Salome zum Sinnbild der Femme fatale geworden. Die beiden Heldinnen begegneten sich im Bild einer gefährlichen Schönheit und eines abgetrennten Männerkopfes.

Die genaueste Formulierung lautet daher: Judith II ist der historische Titel, während Salome eine traditionell gewordene Deutung ist. Der Doppeltitel deutet nicht auf einen zu korrigierenden Fehler hin, sondern auf die Art und Weise, wie Klimt die Ikonographie bewusst verwischt.

Vor der Betrachtung des Gemäldes

Judith und Salome erzählen nicht die gleiche Geschichte

Beide sind mit einer Enthauptung verbunden, doch ihre Rolle, ihr Beweggrund und der gezeigte Kopf stimmen nicht überein. Wer sie verwechselt, verwischt den Unterschied zwischen einer Befreierin und einer Prinzessin, die in einer Geschichte von Begehren und Rache instrumentalisiert wird.

Bericht über das Buch Judith

Judith rettet Bethulia

Judith ist eine jüdische Witwe. Ihre Stadt wird von Holofernes’ Heer belagert. Sie begibt sich ins feindliche Lager, verführt den Feldherrn, wartet, bis er betrunken eingeschlafen ist, und enthauptet ihn mit seinem Schwert. Mit ihrer Dienerin Abra bringt sie den Kopf zurück. Das Heer verliert seinen Anführer und zerstreut sich: Ihre Tat wird als militärische Strategie und gemeinschaftliche Rettung verstanden.

Opfer
Holofernes, assyrischer General
Objekt
Schwert, dann Tasche oder Korb
Status
Witwe, Heldin ihres Volkes
Worum es geht
Befreiung der Stadt
Geschichte der Evangelien

Salome erhält einen Kopf

Die Tochter der Herodias tanzt vor Herodes. Er verspricht ihr eine Belohnung; auf Rat ihrer Mutter verlangt sie den Kopf Johannes des Täufers, der wegen seiner Verurteilung der Verbindung zwischen Herodes und Herodias gefangen gehalten wird. Das Haupt des Heiligen wird auf einem Tablett gebracht. Die Tradition nennt die junge Frau Salome, obwohl die Evangelientexte sie in dieser Episode nicht ausdrücklich benennen.

Opfer
Johannes der Täufer
Objekt
Tablett oder Becken
Status
Prinzessin und Tänzerin
Worum es geht
Herodes' Versprechen und Herodias' Rache

Geleitetes Lesen

Fünf Details, die das Bild kippen lassen

Klimt erzählt weder vom Bankett noch vom Zelt oder vom Mord. Er drängt die Handlung in einen von Spannungen durchzogenen Körper. Die Erzählung bleibt in Fragmenten erhalten: ein Kopf, Hände, eine Drehung und einige Goldreflexe.

Gesamtansicht von Gustav Klimts Judith II zur Betrachtung der fünf analysierten Details
Judith II, 1909. Gesamtansicht des Werks: Die fünf Details werden im Folgenden beschrieben.
1

Ein abwesendes statt triumphierendes Gesicht

Die Augen wirken verschleiert, und der Kopf neigt sich zurück. Judith I blickte den Betrachter beinahe direkt an; Judith II scheint von einer inneren Empfindung fortgetragen. Dieses Schweben ermöglicht die Deutung als „Salome“.

2

Eine unbedeckte Brust ohne stabile Pose

Der Ausschnitt schafft keine ruhige Nacktheit. Er begleitet die Drehung des Oberkörpers, als gleite das Kleid während einer Bewegung. Die Erotik ist nervös, nicht monumental.

3

Finger in Krallen verwandelt

Die Hände halten weder Schwert noch Tablett, ihre langgestreckten, mit fast schmerzhafter Präzision gebogenen Phalangen verdichten die Gewalt, die die Geschichte nicht mehr zeigt.

4

Ein Kleidungsstück, das zu einem vertikalen Strom geworden ist

Dreiecke, Bänder, Arabesken und Farbflecken führen den Blick nach unten. Das Ornament schmückt den Körper nicht bloß: Es verlängert ihn und löst seinen Zusammenhang auf.

5

Holofernes an den Rand gedrängt

Der abgetrennte Kopf erscheint tief unten, dunkel und teilweise von den Mustern aufgenommen. Dieses Detail bestätigt Judith, doch sein Zurücktreten verhindert das sofortige Erkennen und gibt der Salome-Deutung Raum.

Zwei Versionen im Abstand von acht Jahren

Judith I. und Judith II: dieselbe Heldin, zwei Machtregime

Klimt wiederholt keine Formel. Zwischen 1901 und 1909 wird der frontal gezeigte goldene Körper zu einer gestreckten, bewegten und stärker gebrochenen Silhouette. Der Vergleich zeigt die schrittweise Abkehr vom regelmäßigen Zauber der Secession.

Judith I von Gustav Klimt, 1901
Belvedere · Wien · 1901

Judith I: die frontale Ikone

Judith erscheint als Halbfigur, beinahe unbewegt. Gesicht, Schultern und breiter Halsschmuck bilden eine stabile Architektur. Gold verwandelt die Szene in einen kostbaren Gegenstand, während Holofernes’ Kopf kaum am unteren rechten Rand hervortritt. Der von Georg Klimt ausgeführte Metallrahmen setzt das Gemälde wie eine Goldschmiedearbeit fort.

FrontalitätGoldRuheDirekter Blick
Judith II von Gustav Klimt, 1909
Ca' Pesaro · Venedig · 1909

Judith II: die Silhouette in der Krise

Die Figur ist in ein sehr hohes und schmales Format eingespannt. Sie beugt und verdreht sich und scheint an der Leinwand entlangzugleiten. Gold bleibt erhalten, teilt die Fläche aber mit Rot, Schwarz, Mauve und stärker dissonanten Mustern. Die Macht ist nicht mehr die einer souveränen Ikone: Sie wird zu Impuls, Verkrampfung und Bewegung.

DrehungGrelle FarbenVerkrampfte HändeMehrdeutigkeit
Element Judith I., 1901 Judith II., 1909 Erzeugte Wirkung
Haltung Frontal, stabil, nahe der Porträtbüste Schräg, gestreckt, von Wendungen durchzogen Von der gezeigten Meisterschaft bis zur körperlichen Anspannung
Blick Augen halb geschlossen, aber auf uns gerichtet Schwimmender Blick, fast abwesend Von bewusster Verführung bis hin zu mehrdeutiger Ekstase
Ornament Regulärer goldener Hintergrund, kostbares Objekt Fragmentierte Muster und vertikale Ströme Von Ikone zu Disartikulation
Holofernes Diskreter, aber lesbarer Kopf unten rechts Der Kopf wird noch stärker vom dunklen Rand absorbiert Die Geschichte verblasst hinter der Figur
Identität Judith, schon manchmal mit Salome verwechselt Judith historisch, Salome visuell plausibel Ambivalenz wird zum eigentlichen Thema

Jahrhundertende

Warum gewinnt Salome trotz des Titels?

Um 1900 ist Salome nicht mehr nur eine biblische Figur. Oscar Wildes Stück, 1893 auf Französisch veröffentlicht und 1896 in Paris uraufgeführt, macht sie zur Gestalt des Begehrens, des Tanzes und des Todes. Richard Strauss führt diese Mode mit seiner Oper Salome fort, die 1905 in Dresden uraufgeführt wird. Den Künstlern steht damit ein sofort erkennbarer Typus zur Verfügung: die gefährliche Tänzerin, die von einem abgetrennten Kopf fasziniert ist.

Klimt nähert Judith diesem Typus an, ohne ihren Namen offiziell zu ändern. Die Frau von 1909 besitzt weder das Schwert der kämpferischen Witwe noch die Zurückhaltung einer Heldin ihres Gemeinwesens. Ihre entblößte Brust, die verschleierten Augen, der Rhythmus des Gewands und die verkrampften Hände lassen sie wie eine Tänzerin nach dem Höhepunkt der Bewegung erscheinen.

Der TanzDie Silhouette kommt nie zur Ruhe; die Muster vermitteln den Eindruck fortgesetzter Bewegung.
VerlangenGesicht und Büste verwandeln Judiths militärischen Triumph in ein sinnliches und psychologisches Erlebnis.
Der abgetrennte KopfDieser visuelle gemeinsame Punkt reicht aus, um Holofernes Johannes dem Täufer näher zu bringen, wenn die erzählerischen Attribute verschwinden.
Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers von Caravaggio
Caravaggio, Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers. Das Tablett, der Henker und der Kopf des Heiligen machen die Geschichte hier explizit, anders als Klimts Ellipse.

Eine Heldin, die jahrhundertelang gemalt wurde

Was Klimt aus der Judith-Tradition entfernt

In barocken Fassungen entsteht die Spannung durch die Geste, das Blut, die Dienerin oder die Trophäe. Klimt bewahrt die erotische Spannung und den abgetrennten Kopf, entfernt jedoch fast alle Hinweise auf die Handlung. Diese radikale Reduktion erklärt die moderne Kraft des Gemäldes.

Judith enthauptet Holofernes von Artemisia Gentileschi
Die Geste

Artemisia Gentileschi

Judith und Abra handeln gemeinsam. Die Arme bilden einen sichtbaren Mechanismus; das Blut und Holofernes’ Widerstand verleihen der Tötung ihr körperliches Gewicht. Bei Klimt geht diese Gewalt vollständig in die Finger und Linien über.

Judith und ihre Dienerin mit dem Kopf des Holofernes, Orazio Gentileschi zugeschriebene Komposition mit möglicher Beteiligung Artemisias
Die Nachwirkungen

Judith und Abra

Die Dienerin, der Korb und das besorgte Lauschen erzählen von der Flucht aus dem Zelt. Das Nasjonalmuseet datiert diese Komposition auf etwa 1608–1612, mit unsicherer Zuschreibung an Orazio Gentileschi und ebenso unsicherer Beteiligung Artemisias. Klimt dagegen isoliert seine Figur in einer ortlosen Welt.

Judith mit dem Haupt des Holofernes von Fede Galizia
Die Trophäe

Fede Galizia

Kopf, Tablett, Kleid und Schmuck sind in einer klar lesbaren Darstellung vereint. Die Schönheit verdrängt die Identität der Erzählung nicht. Bei Klimt wird der Kopf an die Grenze des Sichtbaren gedrängt, während der Prunk beinahe abstrakt wird.

Farbe und Material

Eine Palette, die nicht mehr nur "golden" ist

Judith II gehört ans Ende der goldenen Periode, kündigt aber bereits eine expressivere Bildsprache an. Gold bedeckt nicht alles: Es tritt in Reibung mit Schwarz, Dunkelrot, Orange, violettem Rosa und kühlen Grautönen.

SchwarzHaar, Leere und Holofernes’ Kopf
BraunIrdische Verankerung und Schatten
WeinrotSpannung, Mund und Tiefe
OrangeNervöse Akzente der Kleidung
GoldVerbleibender Glanz der Ikone
LilaAbkühlung des Fleisches und der Einrichtung

In Klimts Werk

1909: Gold reißt, Linie wird schärfer

Drei Gemälde helfen, Judith II einzuordnen. Pallas Athene bereitet die bewaffnete Heldin vor, Judith I begründet die erotische Ikone, und Die Hoffnung II zeigt, wie das Ornament einen Körper aufnehmen und dabei eine existenzielle Spannung bewahren kann.

Pallas Athene von Gustav Klimt, 1898

Pallas Athene, 1898

Rüstung, Frontalblick und Metallrahmen: Klimt verwandelt bereits eine uralte Heldin in eine moderne, kalte und souveräne Präsenz.

Detail von Gesicht und Halsschmuck der Judith I von Gustav Klimt

Judith I., Detail, 1901

Die Kette schließt den Hals wie ein Goldschmiedestück abDas Gesicht bleibt dem Auge, anders als bei der inneren Drift von Judith II, vollständig zugänglich.

Die Hoffnung II von Gustav Klimt, 1907–1908

Die Hoffnung II, 1907–1908, vor 1914 überarbeitet

Der Körper der Schwangeren verschmilzt mit Kleidung und Gold, während ein Schädel an den Tod erinnert, wie Judith II. verbindet das Werk dekorative Schönheit und Bedrohung.

1901Judith I. in der SecessionDie erste Version wurde sofort bemerkt und eröffnete den spektakulären Einsatz von Blattgold.
1908Vorbereitende StudienZeichnungen verbinden die Pose bereits mit einer Tänzerin in spanischer Tracht oder einem Flamencokostüm.
1909Erste AusstellungDas Gemälde erscheint unter dem Titel Judith in der Internationalen Kunstschau in Wien.
1910Kauf in VenedigDas auf der Biennale als Judith präsentierte Werk wurde von der Städtischen Galerie von Venedig erworben.

Die beiden Gemälde sehen

Judith II: Sammlung Venedigs, aktuelle Leihgabe an Mestre; Judith I. in Wien

Judith II gehört zu Ca’ Pesaro – Galleria Internazionale d’Arte Moderna. Für die Besuchsplanung beachten: Das Werk ist seit dem 21. September 2026 an das MUVEC – Casa delle Contemporaneità in Mestre ausgeliehen, für die Ausstellung „Klimt, Schiele, Kokoschka e il corpo nell’arte contemporanea“ vom 26. September 2026 bis zum 14. Februar 2027. Prüfen Sie vor einer Buchung die offizielle Mitteilung von Ca’ Pesaro. Höhe und Schmalheit sind wesentlich für das Erleben des Werks; auf einem Bildschirm unterschätzt man leicht, wie die Silhouette den Betrachter überragt.

Judith I befindet sich im Belvedere in Wien. Die Betrachtung mit dem von Gustav entworfenen und von Georg Klimt in Metall ausgeführten Rahmen macht verständlich, dass das Werk auch ein vollständiges Objekt ist. Gold ist keine bloße gedruckte Farbe: Es fängt das Licht ein und verändert die Frontalität des Gesichts.

Vergleichstipp: Fragen Sie nicht nur, welches Gemälde schöner ist. Beobachten Sie, wie acht Jahre das Verhältnis zum Körper verändern: Judith I präsentiert sich, Judith II entzieht sich. Die erste beherrscht den Rahmen; die zweite scheint in seinem Strom gefangen.

Verifizierte Quellen

Museen, wissenschaftliche Datenbank und Werkbeschreibungen

Fondazione MUVE

Offizielle Werkbeschreibung von Judith II: Datum, Technik, Maße, Inventar, Standort und Erwerb im Jahr 1910.

Werkbeschreibung ansehen →

Gustav-Klimt-Datenbank

Geschichte der Titel Judith / Salome, Präsentation von 1909, Biennale von 1910 und Kontext der goldenen Periode.

Dossier lesen →

Belvedere-museum

Rolle Judiths I. bei der Verwendung von Blattgold und Platz des Werkes in der Wiener Moderne.

Lesen Sie Analyse →

Nasjonalmuseet

Ausführlicher Bericht über Judith, Holofernes und Abra aus einer den Gentileschi zugeschriebenen Komposition.

Werk ansehen →

Metropolitan Museum

Ikonografie Salomes, die in einer illuminierten Handschrift den Kopf Johannes des Täufers empfängt und anschließend präsentiert.

Siehe die Geschichte →

Getty-museum

Judiths Geschichte in mittelalterlichen Manuskripten: wie ein Bild Verführung, Enthauptung und Erlösung der Stadt verdichtet.

Artikel lesen →

Ca’ Pesaro — aktuelle Mitteilung: Leihgabe von Judith II an das MUVEC in Mestre, Ausstellung bis zum 14. Februar 2027.

Metropolitan Opera — Wilde, Veröffentlichung von 1893 und Uraufführung der Oper von 1905.

Die abgebildeten Werke sind gemeinfrei oder stammen aus Dateien, die bereits zur Redaktionsbibliothek von Alpha Reproduction gehören. Fotografien der Hängung bleiben den jeweiligen Institutionen zugeschrieben. Die Gesamtansicht von Judith II begleitet die fünf im Text beschriebenen Details.

Häufig gestellte Fragen

Judith II. in acht Antworten

Stellt Judith II. Judith oder Salome dar?

Der historische Titel bei den Ausstellungen von 1909 und 1910 lautet Judith. „Salome“ ist eine verbreitete Deutung aufgrund der tänzerischen Haltung, der Erotik und der Mehrdeutigkeit des abgetrennten Kopfes.

Welchen abgetrennten Kopf sehen wir in Judith II?

Nach der historischen Identifizierung des Gemäldes handelt es sich um den Kopf des Holofernes, des assyrischen Feldherrn, den Judith enthauptet. Er erscheint sehr weit unten und bleibt teilweise in das dunkle Dekor eingebunden.

Was ist der Unterschied zwischen Judith und Salome?

Judith enthauptet Holofernes, um ihre belagerte Stadt zu retten. Salome tanzt vor Herodes und erhält anschließend auf Verlangen der Herodias den Kopf Johannes des Täufers auf einem Tablett.

Wann malte Klimt Judith II?

Er malt das Werk 1909. Im selben Jahr wird es auf der Internationalen Kunstschau in Wien gezeigt, anschließend 1910 auf der Biennale von Venedig.

Wo ist Judith II heute?

Es gehört seit dem städtischen Erwerb von 1910 zu Ca’ Pesaro in Venedig. Mit Stand vom 27. September 2026 ist es für eine Ausstellung vom 26. September 2026 bis zum 14. Februar 2027 an das MUVEC in Mestre ausgeliehen.

Warum ist Judith II. so eng?

Das vertikale Format betont die Dehnung des Körpers und verwandelt die Muster des Kleidungsstücks in einen Abwärtsstrom. Diese Einschränkung erzeugt ein Gefühl des Gleitens und der Spannung, das bei Judith I. fehlt.

Wird Judith I. auch manchmal Salome genannt?

Ja, auch dieses Werk führte zu der Verwechslung, weil Klimt die Erotik betont und die biblische Erzählung stark verkürzt. Titel und Kopf des Holofernes identifizieren die Figur jedoch als Judith.

Hat Adele Bloch-Bauer für Judith geposiert?

Aufgrund von Ähnlichkeiten wird für Judith I und gelegentlich auch für Judith II eine Identifizierung mit Adele Bloch-Bauer vorgeschlagen. Sie muss als Hypothese und nicht als gesicherte Tatsache formuliert bleiben.

Schlussfolgerung

Judith dem Titel nach, Salome durch die Verunsicherung

Die Stärke von Judith II entsteht nicht aus einem Rätsel, das ein für alle Mal zu lösen wäre. Klimt gibt genügend Hinweise, um Judith zu bewahren — Holofernes’ Kopf, die Ausstellungsgeschichte und die Verbindung zur Fassung von 1901 —, entfernt aber Schwert, Dienerin, Zelt und den Sieg für die Stadt. An ihre Stelle treten ein Tanz, ein schweifender Blick und verkrampfte Hände. Salome löscht Judith also nicht aus: Sie sucht sie heim. Acht Jahre nach der goldenen Ikone von 1901 verwandelt der Maler eine stabile Heldin in ein modernes, nervöses und unauflösbar doppeltes Bild.

Gustav Klimt 1914 im Atelierkittel fotografiert
Gustav Klimt fotografiert von Anton Josef Trčka 1914.

Letzte redaktionelle und sachliche Überprüfung: 27. September 2026.

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