Der Park: die Landschaft an der Schwelle zur Abstraktion
Eine Wand aus Blättern nimmt fast das ganze Quadrat ein. Der Himmel verschwindet, der See bleibt nur als Lichtschimmer erhalten, und die Bäume lösen sich in Tausenden Pinselstrichen auf: Klimt führt die Landschaft hier bis an die Grenze der Abstraktion.

Eine noch erkennbare Landschaft, fast ohne Raum
Der Park zeigt die Bäume im Park von Schloss Kammer am Attersee. Klimt bewahrt mehrere gegenständliche Hinweise – Stämme, Hecke, Boden, Lichtschimmer des Sees –, ordnet sie aber einer riesigen Fläche farbiger Pinselstriche unter.
Es handelt sich somit nicht um abstrakte Malerei im strengen Sinn. Isoliert man jedoch den oberen Teil, lässt sich kaum noch ein Motiv erkennen: Die Leinwand wirkt wie ein eigenständiges Feld aus Grün, Gelb, Violett, Weiß und Schwarz.
Wie lässt Klimt die Landschaft verschwinden?
Er beseitigt die Wirklichkeit nicht plötzlich. Schrittweise reduziert er die Informationen, die dem Betrachter eine räumliche Orientierung ermöglichen würden.
Keine Öffnung nach oben
Das Blätterdach berührt alle vier Seiten und verweigert jede Öffnung zum Luftraum oder Horizont.
Eine Hecke bildet eine Barriere
Die dunkelgrüne Masse hindert das Auge daran, in den Park einzudringen, und verwandelt den Hintergrund in eine Bildtafel.
Fast aufgelöste Stämme
Einige Vertikalen bleiben bestehen, werden aber vom selben Netz aus Pinselstrichen aufgenommen wie die Blätter.
Jedes Fragment wird eigenständig
Aus der Nähe beschreibt die Farbe kein bestimmtes Blatt mehr: Sie wirkt wie ein Zeichen.

Ein Quadrat zwischen Masse und Spalt
Das Blätterdach nimmt fast das gesamte Bild ein. Unten vereint ein schmaler horizontaler Bereich Boden, entfernte Stämme und ein sehr blasses Licht vom See. Dieser Spalt genügt, um daran zu erinnern, dass wir eine Landschaft betrachten.
Der große Baum rechts und der hellere Stamm links wirken wie Klammern. Dazwischen bildet die zentrale Hecke eine zweite Fläche, dunkler und kompakter als das Laub.
Der Pinselstrich ersetzt allmählich das Blatt
Die Vergrößerungen stammen aus derselben vollständigen Abbildung. Sie zeigen, weshalb die Erkennbarkeit des Parks vor allem vom unteren Streifen abhängt.

Das Blätterdach ohne Orientierungspunkte
Oben schweben grüne, gelbe und violette Pinselstriche ohne Stamm oder Himmel. Das Motiv lässt sich fast nicht mehr bestimmen.

Ein unregelmäßiges Mosaik
Die Wiederholung ist niemals mechanisch: Größe, Richtung und Dichte der Pinselstriche verändern sich ständig.

Unten kehrt die Wirklichkeit zurück
Stämme, Rasen, Hecke und der helle Seestreifen stellen ein Mindestmaß an Maßstab und Tiefe wieder her.
Ist Der Park ein abstraktes Werk?
Die treffendste Antwort lautet: nein, aber beinahe. Klimt geht von einem beobachteten Motiv aus und bewahrt dessen Aufbau; die Oberfläche wird jedoch so eigenständig, dass sich das Gemälde als ein Ereignis der Farbe betrachten lässt.
Was gegenständlich bleibt
Vertikale Stämme, horizontale Hecke, Boden und Aufhellung lassen einen baumbestandenen Park erkennen.
Was abstrakt wird
Der obere Teil bietet weder einen Hauptgegenstand noch Perspektive oder eine schlüssige Modellierung: nur eine rhythmische Dichte.
Warum die Unterscheidung zählt
Klimt will die Natur nicht aufgeben; er sucht ein malerisches Äquivalent ihrer Fülle.

Das Quadrat rückt alles in die Fläche
Das quadratische Format legt keine bevorzugte Richtung nahe. Es führt weder zu horizontalem Wandern noch zu vertikalem Aufsteigen. Das Laub kann sich deshalb wie ein durchgehendes Feld entwickeln.
Klimt verwendete einen „Motivsucher“, einen Karton mit quadratischer Öffnung, um einen Ausschnitt der Landschaft zu isolieren. Hier leistet der Bildausschnitt mehr als eine Auswahl: Er verwandelt das Blätterdach in eine visuelle Gesamtheit.

Der Park im MoMA in New York
Das MoMA führt das Werk unter dem Titel The Park und datiert es auf „1910 oder früher“. Das Museum nennt Öl auf Leinwand, 110,4 × 110,4 cm, erworben mit Mitteln des Gertrud A. Mellon Fund, Objektnummer 10.1957.
Eine dauerhafte Hängung ist nicht garantiert. Vor einem Besuch sollte man die offizielle Werkseite prüfen, die Installationsansichten und dokumentierte Ausstellungszeiträume verzeichnet.
Der Park von Schloss Kammer am Attersee
Klimt malt den Park um Schloss Kammer während seines Aufenthalts 1909. Der See ist nicht das Hauptmotiv: Er erscheint nur zwischen den Stämmen als fernes Licht.

Schloss Kammer
Das Gebäude und sein Park liegen auf einer Halbinsel. Klimt wählt jedoch einen geschlossenen Blickwinkel innerhalb der Vegetation.

Klimt und Emilie Flöge
Das Datum fällt mit dem Aufenthalt in Kammer zusammen: Sommerfrische, Beobachtung und Arbeit verbinden sich rund um den See.

Die Weite des Sees
Die wirkliche Aussicht ist weit und hell. Das Gemälde Der Park kehrt diese Erfahrung um, indem es den Raum nahezu vollständig schließt.
Vier Wege zur Fläche
Der Park ist keine isolierte Geste. Klimt erprobt fortwährend die Grenze zwischen beobachtetem Ort und dekorativer Ordnung.

Der Park
Das Blätterdach wird zur farbigen Wand; Tiefe bleibt nur im unteren Streifen erhalten.

Birkenwald
Der farbige Boden und die dicht stehenden Stämme verdichten bereits den Raum, doch die Tiefe bleibt begehbar.

Attersee
Die Oberfläche des Sees füllt das Quadrat, doch eine winzige Horizontlinie vermittelt noch den Maßstab.

Allee bei Schloss Kammer
Der Weg stellt eine starke Perspektive wieder her, die jedoch von zwei Baumwänden begrenzt wird.

Blumengarten
Die Blumen ersetzen den Raum durch eine Farbpyramide, die leichter erkennbar und heller ist als das Blätterdach im Park.
| Werk | Gegenständlicher Hinweis | Hindernis für die Tiefe | Nähe zur Abstraktion |
|---|---|---|---|
| Der Park | Stämme, Hecke, Lichtschimmer des Sees | Blätterdach über fast dem gesamten Quadrat | Sehr groß |
| Attersee | Horizont und Ufer | Gleichmäßige Wasserfläche | Groß |
| Blumengarten | Erkennbare Blumen | Weder Himmel noch Weg | Groß |
| Birkenwald | Stämme und Boden | Bildausschnitt ohne Himmel | Mittel |
| Allee bei Kammer | Zentraler Weg | Baumvorhänge | Geringer |
Von Kammer ins Museum of Modern Art
Die Datierung variiert leicht je nach Katalog, doch Motiv und erste Präsentation sind gut dokumentiert.
Malarbeit im Park von Kammer
Klimt malt zwei Ansichten des Parks: diese von Bäumen dominierte und den Teich, der mit seiner Gegenüberstellung von Wasser und Laub fast ebenso radikal ist.
Erste Präsentation in Venedig
Das Werk wird bei der IX. Internationalen Kunstausstellung der Stadt Venedig zusammen mit den Landschaften der Kammer-Serie gezeigt.
Emilie Flöge
Die dokumentierte Provenienz verbindet das Werk mit Emilie Flöge, Klimts engster Gefährtin und Bewahrerin eines bedeutenden Teils seines künstlerischen Nachlasses.
Aufnahme ins MoMA
Das New Yorker Museum erwirbt das Gemälde mit Mitteln des Gertrud A. Mellon Fund und vergibt die Objektnummer 10.1957.
Der Park und Klimts Landschaften
Das Hauptwerk ist direkt mit seiner Reproduktion verknüpft. Verwandte Landschaften ermöglichen die Wahl zwischen Laubwand, gegliederter Allee, vertikalem Wald und nahezu monochromem See.

Park bei Schloss Kammer
Das Blätterdach als beinahe abstraktes Mosaik.

Allee bei Schloss Kammer
Ein heller Fluchtpunkt, von Stämmen begrenzt.

Birkenwald
Helle Stämme und ein Boden aus farbigen Blättern.

Attersee
Der See als türkisfarbenes Schwingen.
Klimts Landschaften weiter erkunden
Alles über das Gemälde Der Park
Wann malte Klimt Der Park?
Das Motiv wird dem Aufenthalt 1909 im Park von Schloss Kammer zugeordnet. Das MoMA datiert es auf „1910 oder früher“, während die Klimt-Forschung gewöhnlich 1909 nennt.
Wo befindet sich Der Park heute?
Im Museum of Modern Art in New York, Abteilung Malerei und Skulptur, Objektnummer 10.1957.
Welche Maße hat das Gemälde?
Laut MoMA 110,4 × 110,4 cm: ein nahezu exaktes Quadrat, Klimts bevorzugtes Format für seine Landschaften.
Ist Der Park abstrakt?
Nicht im strengen Sinn, denn Bäume, Hecke, Boden und das Licht des Sees bleiben erkennbar. Das Blätterdach wirkt jedoch fast wie ein eigenständiges Feld farbiger Pinselstriche.
Welchen Ort hat Klimt dargestellt?
Einen baumbestandenen Bereich im Park von Schloss Kammer in Schörfling am Attersee in Oberösterreich.
Warum sieht man den See kaum?
Klimt wählt einen geschlossenen Blickwinkel innerhalb des Parks. Das Wasser schimmert nur zwischen den Stämmen im schmalen hellen Streifen unten.
Wann wurde das Gemälde erstmals ausgestellt?
1910 bei der IX. Internationalen Kunstausstellung der Stadt Venedig.
Kann man Der Park dauerhaft im MoMA sehen?
Das Werk gehört zur Sammlung, doch seine Hängung kann sich ändern. Prüfen Sie vor Ihrem Besuch die offizielle Werkseite.
Referenzdokumente und Bilder
Museum of Modern Art
Datierung, Technik, Maße, Objektnummer, Erwerbungsnachweis und Installationsansichten.
ForschungGustav Klimt Database
Park von Kammer, Beschreibung des Laubs, Rolle der Hecke und erste Ausstellung in Venedig.
Öffentliches BildWikimedia Commons
Hauptdatei mit 1.997 × 2.000 Pixeln und Angaben zur Gemeinfreiheit.
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